Stellenanzeige AGG-konform — rechtssicher formulieren
Praxisnaher Ratgeber für HR-Profis — von der Redaktion von TalentMatch24.

Welche Unternehmen uns vertrauen
























Einleitung
Eine rechtssichere Stellenanzeige ist für Arbeitgeber heute unverzichtbar. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) schützt Bewerber vor Diskriminierung und macht es erforderlich, dass Stellenanzeigen neutral formuliert sind. Wer sich hier nicht absichert, riskiert teure Rechtsstreitigkeiten, Imageschäden und einen eingeschränkten Zugang zu Talenten. In diesem Ratgeber zeigen wir dir, wie du deine Stellenanzeigen AGG-konform erstellst, was du vermeiden solltest und wie du mit wenigen Schritten rechtssicher kommunizierst.
Kontext und Relevanz
Das AGG ist seit 2006 in Kraft und verpflichtet Arbeitgeber, keine diskriminierenden Kriterien in der Stellenbeschreibung zu verwenden. Gleichzeitig ist der Arbeitsmarkt eng, Fachkräfte sind begehrt – da hilft es nicht, Kandidaten schon in der Anzeige abzuschrecken oder rechtliche Risiken einzugehen. Aktuelle Trends zeigen, dass Diversity und Inklusion auch im Recruiting immer wichtiger werden. Fairness in der Ansprache bedeutet nicht nur Rechtskonformität, sondern auch bessere Chancen, das richtige Personal zu gewinnen.
Schritt-für-Schritt: So formulierst du deine Stellenanzeige AGG-konform
- Analyse der Anforderungen: Definiere ausschließlich fachliche und berufliche Voraussetzungen, die für die Tätigkeit tatsächlich notwendig sind.
- Neutrale Sprache verwenden: Vermeide Begriffe, die auf Geschlecht, Alter, Herkunft, Religion, Behinderung oder sexuelle Orientierung schließen lassen. Beispiel: Statt „junge dynamische Mitarbeiter“ lieber „engagierte Teammitglieder“.
- Vermeide indirekte Diskriminierung: Auch scheinbar neutrale Formulierungen können diskriminierend sein, wenn sie bestimmte Gruppen benachteiligen (z. B. „fit und belastbar“ kann ältere Bewerber abschrecken).
- Keine expliziten Ausschlüsse: Formulierungen wie „nur Männer“ oder „unter 30 Jahre“ sind unzulässig, außer es liegt eine rechtlich anerkannte Ausnahme vor (z. B. Schauspielrollen).
- Inklusion fördern: Erwähne gerne ausdrücklich, dass Bewerbungen von Menschen aller Hintergründe willkommen sind („Wir begrüßen Vielfalt und fördern Chancengleichheit“).
- Rechtliche Prüfung: Lass die Anzeige im Zweifel von einer Fachkraft für Arbeitsrecht oder einem erfahrenen HR-Consultant prüfen.
- Barrierefreiheit beachten: Achte darauf, dass die Anzeige für Menschen mit Behinderung zugänglich ist (z. B. klare Sprache, keine unnötigen Fachbegriffe, verständliche Struktur).
Praxisbeispiele
Beispiel 1: Problematische Formulierung
Vorher: „Wir suchen eine junge, dynamische Sekretärin (w/m). Sie sollten belastbar und teamfähig sein.“
Analyse: „Jung“ grenzt ältere Bewerber aus, „Sekretärin“ ist geschlechtsspezifisch und „belastbar“ kann indirekt diskriminierend wirken.
AGG-konforme Version: „Wir suchen ein engagiertes Teammitglied für die Assistenz der Geschäftsleitung. Sie sind kommunikativ, organisiert und arbeiten gern im Team.“
Beispiel 2: Inklusion und Neutralität
Vorher: „Verkäufer (m/w/d) gesucht, bevorzugt mit Migrationshintergrund.“
Analyse: Auch wenn die Intention positiv ist, kann die Erwähnung eines Migrationshintergrunds als Diskriminierung wahrgenommen werden.
AGG-konforme Version: „Verkäufer (m/w/d) gesucht. Wir begrüßen Bewerbungen von Menschen aller Nationalitäten und Hintergründe.“
Checkliste: AGG-konforme Stellenanzeige
- Nur fachlich relevante Anforderungen nennen
- Geschlechtsneutrale Bezeichnungen verwenden (z. B. „Mitarbeitende“ statt „Männer“ oder „Frauen“)
- Keine Altersangaben oder -beschränkungen ohne Rechtfertigung
- Keine Hinweise auf Herkunft, Religion oder sexuelle Orientierung
- Positive Formulierungen, die Vielfalt fördern
- Klares, verständliches Wording ohne Fachjargon
- Rechtliche Prüfung einplanen
- Barrierefreie Sprache und Gestaltung sicherstellen
Häufige Fehler bei AGG-konformen Stellenanzeigen
- Unreflektierte Übernahmen von Vorlagen: Standardtexte enthalten oft überholte oder diskriminierende Formulierungen.
- Vage Formulierungen wie „jung und dynamisch“: Diese wirken abschreckend auf ältere Kandidaten und können als Altersdiskriminierung gewertet werden.
- Explizite Ausschlüsse: Zum Beispiel „nur männliche Bewerber“ oder „keine Schwerbehinderung“ sind unzulässig und führen zu rechtlichen Problemen.
- Fehlende Hinweise auf Chancengleichheit: Nicht zu kommunizieren, dass das Unternehmen Vielfalt unterstützt, kann Talente abschrecken.
- Keine Berücksichtigung von Barrierefreiheit: Gerade bei Online-Stellenanzeigen sind Zugänglichkeit und Verständlichkeit entscheidend.
FAQ
Fazit und Handlungsempfehlung
Die AGG-konforme Formulierung deiner Stellenanzeigen ist kein lästiges Beiwerk, sondern ein strategischer Erfolgsfaktor. Sie schützt dich vor rechtlichen Risiken, verbessert dein Employer Branding und öffnet dir den Zugang zu einem vielfältigen Bewerberpool. Nutze klare, neutrale Sprache und konzentriere dich auf die fachlichen Anforderungen. Vermeide Ausschlüsse und diskriminierende Begriffe, und kommuniziere aktiv deine Offenheit für Vielfalt. Ein letzter Schritt sollte immer die juristische Prüfung sein – gerade bei sensiblen Positionen. So kannst du mit einem guten Gefühl und seriöser Kommunikation die besten Talente ansprechen.
Wenn du Unterstützung bei der Erstellung benötigst, findest du im HR-Lexikon: Antidiskriminierungsgesetz (AGG) weitere Details und im Bereich Recruiting-Lösungen von TalentMatch24 praktische Tools für deine Personalsuche.
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